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Fit für die Auswilderung - Foto: Jürgen Steudtner
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Fit für die Auswilderung - Foto: Jürgen Steudtner

2020 sind es schon 20 Jahre, dass der neue Vorsitzende der NABU-Gruppe Südraum Leipzig, Ingo Thienemann, unterstützt von Gruppenmitgliedern und der Ökostation Borna-Birkenhain, Steinkauzquartiere baut, Steinkäuze züchtet und auswildert. In manchen Jahren waren es nur vier oder fünf Käuze, in guten Jahren wie diesem sind es insgesamt 19, alle 2019 geboren. Im Oktober findet die letzte Auswilderung des Jahres statt, ein Familienverbund – Vater, Mutter und fünf Kinder.

In Sachsen gibt es in freier Natur kaum noch Steinkauz-Brutpaare. Oftmals leben sie so vereinzelt, dass sie nur selten zueinander finden. Mit der Zucht und gezielter Auswilderung versuchen die Naturschützer um Ingo Thienemann, den Bestand wieder zu vergrößern. Auch Familie Thienemann beherbergt ein Kauzpaar, das bereits zwölf Jahre alt ist und für viele Nachkommen gesorgt hat. Doch auch nach 20 Jahren ist der Bestand dieser sehr seltenen Art leider nicht so explodiert wie es sich die Vogelexperten gewünscht haben. „Die kleinen Kerle“, so Ingo Thienemann, „werden von allen vogeljagenden Greifvögeln und von zahlreichen Vierbeinern verfolgt. Deshalb wildern wir meist erst im Frühjahr aus, weil es nach dem Winter erfahrungsgemäß meist etwas weniger Prädatoren gibt und die Jungen bereits um einige Erfahrungen reicher sind.“

Für die Auswilderung haben die Naturschützer einen alten Schäferhänger und einen Autoanhänger zur mobilen Voliere umgebaut. Der in die Jahre gekommene Schäferhänger wurde im Frühjahr in vielen ehrenamtlichen Stunden komplett erneuert. Zumeist geht ein Steinkauzpärchen gemeinsam auf die Reise, an Orte mit möglichst historischen Dorfstrukturen – mit Tierhaltung, Streuobstwiesen und zahlreichen Nistplatzangeboten für weitere Vogelarten, zum Beispiel zwischen Auligk, Brösen und Groitzsch.

14 Tage haben die Tiere nun Zeit, sich im Schutz der Voliere und bei täglicher Fütterung mit dem Gelände und den Geräuschen vertraut zu machen. Erst dann werden die Türen geöffnet. Es dauert meist weitere zwei bis drei Tage, bis die Käuze endgültig ihr vorübergehendes Zuhause verlassen und in die Freiheit fliegen. An eigens dafür eingerichteten Plätzen wird noch einige Zeit Futter für sie ausgelegt, meist erst in der Dämmerung, denn auch Frau Elster ist solch ein zusätzliches Mahl sehr willkommen.

Die jungen Steinkäuze tragen alle einen Ring, damit Wiederfunde zurückverfolgt werden können. Ihr Beringer Dietmar Heyder kommt aus Seebenisch, jedes Jahr im Mai. Nach den ausgewilderten Schützlingen wird regelmäßig geschaut bzw. gehört. Dadurch ist auch bekannt, dass die meisten der 2020 ausgewilderten jungen Käuze noch da sind, vielleicht auch, weil es in diesem guten Mäusejahr für alle reichlich Futter gibt. Hin und wieder erhält Ingo Thienemann auch Hinweise auf Vorkommen in anderen Gebieten. Doch meist entpuppen sich die vermeintlichen Steinkäuze als junge Waldohreulen.

Außergewöhnliches

Hin und wieder wird Ingo Thienemann zu außergewöhnlichen Einsätzen gerufen, so auch 2020. Ein Kauz hatte sich im Edelstahlrohr einer Heizung verfangen, weil die Schutzhaube darauf fehlte. Das Rohr war jedoch so eng, dass das sich heftig mit dem Schnabel wehrende Tier mit bloßen Händen herausgezogen werden musste – tiefe Wunden beim Retter und glückliche Freilassung wenige Tage später. Ebenfalls außergewöhnlich war die Brut eines Waldkauzes in einem Turmfalkenkasten.

 

Und zu guter Letzt:

2020 gab es erste erfolgreiche Bruten des Wiedehopfes in der Region. Die NABU-Gruppe bereitet nun weitere Brutröhren vor, um die Wiedehopfe zu unterstützen. Letzte Brutnachweise liegen sehr lange zurück. Die wärmeliebenden Südländer scheinen vom Klimawandel zu profitieren und rücken weiter nördlich. Oder ist die Umwelt wieder etwas genesen? Auch in der Lausitz gibt es 2020 einen Anstieg der Bruterfolge. Und im Tagebau Profen haben sich 2020 weit über 100 Brutpaare des Bienenfressers eingefunden.


Auswilderungshänger - Foto: Ester Sossai
Junger Steinkauz bekommt einen Ring - Foto: Jürgen Steudtner
Fit für die Auswilderung - Foto: Jürgen Steudtner
hübsche und entspannte Kerlchen sind das. - Foto: Jürgen Steudtner
Ein alter Schafhänger als Auswilderungsvoliere. - Foto: Ingo Thienemann


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